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Okt
02

Stehen, knien oder sitzen ? Wie ist es richtig ?

Stehen, knien oder sitzen ? Wie ist es richtig ?
Colin Kaepernick (Bildquelle: @imago)

Wer steht, wer kniet oder sitzt ?

Vor dem 4. NFL Spieltag forderte US Präsident Donald Trump erneut mit seinen berühmt, berüchtigten Tweets die NFL Spieler auf, bei der Hymne zu stehen. Mittlerweile streitet Trump mit der NFL und NBA um das korrekte Vorhalten während des Abspielens der Nationalhymne. Diese politische Einmischung in den Sport längt immer mehr vom eigentlichen Thema ab.

Alles begann im August 2016 bei einem Trainingsspiel der San Francisco 49ers. Quarterback Colin Kapernick war der Erste, der bei der Nationalhymne kniete um gegen den Rassismus in der USA zu kämpfen:

“Ich stehe nicht auf, um Stolz auf eine Flagge für ein Land zu zeigen, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt, für mich ist das wichtiger als Football, und es wäre selbstsüchtig von mir, wegzusehen. Da liegen Leichen in den Straßen, und Menschen bekommen bezahlten Urlaub und kommen mit Mord davon.”

- Colin Kaepernick, Quelle Wikipedia

Immer mehr Footballer folgten anfangs seinem Beispiel und knieten entweder während der Hymne oder blieben sitzen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Kritik, da dies von Gegnern als respektlos gegenüber der USA gesehen wird. Diese Bewegung ebbte während der letzten Saison dann immer mehr ab, woran sicher auch die Repressalien gegen die teilnehmenden Spieler ihren Anteil hatten. Kaepernick ist seit dem ohne Job, obwohl mittlerweile einige deutlich schwächere Quarterbacks von NFL Teams verpflichtet wurden.

Diese Bewegung erhielt durch den rechtsextremen Anschlag in Charlottesville neuen Auftrieb, und andere prominente Spieler wie Michael Bennet von den Seattle Seahwaks folgten Kaepernicks Beispiel. Mit Seth deValve, der mit einer Schwarzen von den Cleveland Browns beteiligte sich der erste Weiße an diesen Protesten.

Eine weitere Eskalationsstufe provozierte Trump, als er die Sportler als ” Hurensöhne” beschimpfte, welche nicht bei der Hymne standen. Den Bossen empfahl er, diese Spieler sofort zu feuern. Damit zog er widerum den Unmut der NFL Teambesitzer und NFL Commissioner Roder Godel auf sich, welche sich solche Einmischungen in deren Geschäftsbetrieb verbaten. Milliardenschwere Teambesitzer wie Robert Kraft von Superbowl Siger New England Patriots, der Trump im Wahlkampf noch großzügig unterstützt hatte und und Stephen Ross von den Miami Dolphins wollen bewußt ihren Spielern keine Vorschriften machen und es diesen selbst überlassen, wie sie sich Verhalten möchten. Es gibt mittlerweile immer neue Formen des Protestes, die Spieler und Trainer haken sich ein, strecken die Faust in die Höhe, knien, sitzen oder bleiben während der Hymne ganz in der Kabine. #

Vor den Spielen wird momentan viel mehr darüber diskutiert und spekuliert, was während der Hymne passieren wird, anstelle über den sportlichen Aspekt zu sprechen. Fernsehsender wie der dem US Präsidenten nahestehende Sender FOX planen, das Abspielen der Hyme erst gar nicht zu zeigen, um möglichen Protesten keine TV Plattform und Sendezeit zu geben.

Neben der NFL beteiligte sich nun auch die NBA an den Protesten, Basketball Superstar LeBron James von den Cleveland Cavaliers bezeichnete Trump sogar als Penner. Stephen Curry vom NBA Meister Oakland Golden State Warriors verzichtete auf die obligatorische Einladung ins Weiße Haus, worauf Trump beleidigt die gesamte Mannschaft wieder auslud.

Die NBA hat mittlerweile klein beigegeben und die Teams per Dekret verpflichtet, das alle Spieler bei der Hymne stehen müssen. Ansonsten drohen mögliche Strafen.

Bei der Bevölkerung wird die ganze Thematik sehr gemischt gesehen und ist gespalten. Es gibt sowohl Befürworter dieser Proteste als auch Gegner. Besonders verärgerte Fans verbrennen aus Protest ihre oft mehrere tausend Dollar teuren Dauerkarten und Fanartikel und präsentieren dies dann auch noch stolz auf Facebook und Twitter. Andere weisen zu recht daruf hin, das sie mit den Karten und Fanartikeln besser Kindern, Schülern und Bedürftigen eine Freude machen sollten, anstelle dieser sinnlosen Verbrennungsaktionen.

Woher kommt dieser etreme Nationalpatriotismus ?

Seit Gründung der NFL wurde viele Jahrzehnte American Football ganz ohne Flagge und Hymne gespielt. Erst 2009 hatte das amerikanische Verteidigungsministerium mit der NFL ein millionenschweres Paket vereinbart, um den Patriotismus zu fördern. Seit dem gibt es riesen Flagge im Stadion, die Hymne wird gespielt und Düsenjets fliegen über das Stadion. Zusätzlich gibt es an manchen Spieltagen Rekrutierungsstände für das US Militär. Die NFL machte das damals also keineswegs aus reinem Patriotismus sondern aus finanziellen Erwägungen. Wer weiß, hätten Coca Cola, Apple, Google, Microsoft, Amazon usw. damals mehr für solche Werbe – und Präsentationsmöglichkeiten geboten, gäbe es die aktuellen Diskussionen gar nicht.

Man stelle sich vor, die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen würde mit der DFL einen Vertrag abschließen, dass in der Fussball Bundesliga vor jedem Spiel eine Deutschlandflagge in der Größe des gesamten Spielfeldes präsentiert und die Nationalhymne gesungen wird, wären Kampfjets über das Stadion fliegen.

Demokratie ja, aber nur im eigenen Sinn

Die USA sehen sich als die einzigen Bewahrer der Demokratie in der Welt. Die Kriege in Vietnam, Afghanistan und Irak wurden mit der Begründung geführt, diesen Ländern Freiheit und Demokratie zu bringen. Die aktuelle Situation in diesen Ländern ist leider eine andere.

Das einseitige Demokratieverständnis der Kritiker wird an einem Beispiel deutlich. Als in Charlottesville Rechtsradikale mit Fackeln und Hakenkreuzfahnen aufmarschierten sorgte dies für viel Kritik in der Weltöffentlichkeit. Dies Kritik wurde dann von den Beteiligten und Befürworten mit Hinweis auf Freiheit und Demokratie abgetan, denn nach deren Ansicht dürfe schließlich jeder frei seine Meinung äußern. Aber nur, solange diese nicht der eigenen widerspricht.

Erschreckend ist die Brutalität und Gewalt, mit welcher die Kritiker gegen andersdenkende Vorgehen. Da wird eine Sängerin wüst beschimpft und bedroht, weil sie, nachdem Sie die Hymne im Stehen gesungen hat und danach kurz aus Solidariät mit dieser Aktion niederkniete. Mittlerweile unterstützen immer mehr Künstler diese Aktion, Pharell Williams und Stevie Wonder z. Bsp. haben sich bei ihren letzten Konzerten ebenfalls hingekniet.

Die Witwe von ex NFL Spieler Spieler Pat Tillmann wehrt sich gegen die Versuche, den Tod ihres Mannes in diese Diskussion einzubeziehen. Ihr Mann kämpfte und starb genau für diese Freiheit der eigenen Meinung und dem Recht zu Protestieren. Tillmann spielte bei den Arizona Cardinals und trat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 aus Überzeugung etwas für sein Land tun zu müssen in die Army ein. In Afghanistan kam er durch “friendly fire” ums Leben.

Die Entwicklung dieser Protestbewegung

Dieser Protest hat mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt, aus dem ursprünglichen Anliegen von Kapernick, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen wird mehr und mehr ein Protest gegen Präsident Trump direkt. Und Trump spaltet die Lager immer mehr und befeuert den Konflikt mit seinen Tweets immer weiter, anstatt als Präsident deeskalierend und einigend zu wirken.

Aufwind bekommt Trump von dem Eishockey Stanley Cup Sieger Pittsburgh Penguins, welche stolz darauf sind, die Einladung ins Weiße Haus anzunehmen. Kein Wunder, denn in diesem Team ist kein einziger schwarzer Spieler dabei.

Auf den Punkt gebracht

Zum Abschluß hat es Sportmoderator und Vietnam Veteran Dale Hansen genau auf den Punkt gebracht:

Er meint: “Donald Trump bestätigt zwar, das ein friedlicher Protest zu den Grundrechten der Amerikaner gehört, aber nicht dieser. Jeder Protest, der nicht in Trumps Sinne ist, muss gestoppt werden.

Hansen weiter: “Wenn es danach gegangen wäre, hätte auch Martin Luther nie protestieren dürfen. Schwarze müssten immer noch in den Bussen separat sitzen, die Schüler hätten in den Schulen getrennte Essensausgaben und die Jugendlichen müssten verschiedene Colleges besuchen. Diese protestierenden Sportler und Künstler machen das nicht aus mangelndem Respekt gegenüber dem Militär oder der Nation. Sondern gerade sie respektieren die wichtigste amerikanische: Die Freiheit auf eigene Meinung.”

Zum Schluß verweist er auf die zehn Zusatzartikel ( Bill of Rights ) der Verfassung, welche bereits 1789 formuliert wurden. Im ersten Punkt steht das Recht auf freie Rede. Und in keinem der neun anderen Punkte steht, das man bei der Hymne stehen muss.

Colin Kaepernick hat im August 2016 mit seiner Geste eine Bewegung gestartet, die er sicher selbst nie so heftig erwartet hätte. Trotz namhafter Unterstützung vieler Spielerkollegen wie aktuell Quarterback Cam Newton von den Carolina Panther hat er immer noch keinen neuen Job als NFL Quarterback. Doch schon jetzt hat er seinen Platz in der Geschichte der NFL und vielleicht sogar der USA sicher.

Es hat lange gedauert, bis der erste Schwarze überhaupt in der NFL spielen durfte und bis es den ersten schwarzen Heachcoach gab. Wenn es dann auch irgendwann einen Schwarzen als Teambesitzer oder Commissioner gibt, wäre das der nächste große Schritt zur Gleichberechtigung – zumindest in der NFL.

Bildquelle: @imago

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